Design Guide – Design und Kommunikation psychologisch fundiert entwickeln
DE | EN

Design Guide: Ein kollaborativer Forschungs- und Entwicklungsprozess für Kommunikation, die an den Motiven und den inneren Bildern der Zielgruppe ansetzt
Was der Design Guide ist
Der Design Guide ist ein neuartiger kollaborativer Ansatz für die Entwicklung von Design und Kommunikation direkt aus den psychologischen Motiven, inneren Bildern und Wunschvorstellungen der Zielgruppe heraus. So entsteht Kommunikation, die Menschen gezielt an ihren Vorstellungsbildern abholt und dadurch besonders wirksam ist.
Anders als klassische Vorfeldforschung, die Motive zunächst analysiert und erst danach an die Kreation übergibt, entwickelt der Design Guide Kommunikation von Anfang an im lebendigen Austausch mit der Zielgruppe. Forschung und Gestaltung greifen unmittelbar ineinander. Der Prozess verbindet dazu Kreation mit psychologischer Motivforschung und praktischer, sinnlich-künstlerischer Exploration.
Was der Design Guide leistet
Ergebnis des Design Guide Prozesses sind konkrete Prototypen oder Mockups für Produkte, Marken oder ein konkretes Kommunikationsprojekt, sowie ein psychologisch-visuelles “Design Guide Manual”, das auch für künftige Kommunikationsprojekte genutzt werden kann. Das Manual enthält u.a. empirisch validierte Moodboards, Bildmotive, Sprachbeispiele und Begriffe sowie eine visuell-psychologische Positionierungsmatrix.
Dadurch wird Kommunikationsentwicklung nicht nur treffsicherer, sondern durch die Verschmelzung von Forschung und Entwicklung auch effizienter und kostengünstiger.
FAQs
Häufige Fragen zum Design Guide:
Für welche Aufgaben ist der Design Guide geeignet, und welche nicht?
Der Design Guide eignet sich alle Designaufgaben: Kommunikations- und Grafikdesign, Packaging, Produktdesign, Filmstoryboards inklusive Sounddesign, Shop- oder Schaufenstergestaltung, Online-Kommunikationsstrecken oder digitale Interfaces und das Design von Mensch-Maschine-Interaktionen, bis hin zu FAQs oder Produkterklärungen.
Er stellt sicher, dass die Gestaltung eine konkrete Wirkung entfaltet, z.B. die Conversion erhöht, Vertrauen erzeugt oder andere Kommunikationsziele erreicht. Nicht geeignet ist der Design Guide für das bloße Abtesten bestehender Kommunikation oder Kommunikations-Routen, die nicht mehr wesentlich geändert werden sollen.
Wie läuft ein Design Guide Prozess konkret ab?
Es gibt nicht den typischen Prozess. Er variiert je nach Zielsetzung. Am Anfang steht oft eine psychologisch-künstlerische Exploration mit Zielgruppen oder relevanten Nutzern. Das können Konsumenten-Workshops, Einzelgespräche oder andere Formate sein.
Erfasst werden nicht nur Bedürfnisse und Motive, sondern auch innere Bilder, Storys, Stile, Farben, Formen und Begriffe, mit denen diese Motive adressiert werden können. Dafür werden spezielle sinnlich-psychologische Verfahren eingesetzt, etwa Co-Design, Triggerkataloge, Imaginationsübungen, spontane Zeichnungen oder dialogische Gestaltungsaufgaben.
Je nach Projekt werden im Verlauf des Prozesses Prototypen entwickelt und iterativ in weiteren Konsumenten-Workshops und Review-Schleifen mit dem Auftraggeber weiterentwickelt. Mittels einer psychologisch-sinnlichen Analyse entstehen daraus prototypische Entwürfe, Moodboards, Stilvarianten und Motivlandkarten. Die Dauer des Prozesses variiert je nach Aufgabe und reicht von ca. 2 Wochen bis hin zu einer längeren Zusammenarbeit.
Was haben Sie am Ende konkret in der Hand?
Je nach Aufgabenstellung erhalten Sie prototypische Entwürfe, die direkt genutzt werden können, z.B. in der Online-Kommunikation, und/oder ein Design Guide Manual, das sich für eine Vielzahl von Kommunikationsprojekten nutzen lässt.
Was unterscheidet den Design Guide von Design Thinking?
Design Thinking ist meist ein allgemeiner Innovations- und Problemlösungsprozess. Der Design Guide ist stärker auf die konkrete Entwicklung und Gestaltung ausgerichtet. Dazu basiert der Design Guide auf wissenschaftlich-psychologischer Motivforschung sowie auf professioneller Designentwicklung und künstlerischer Kompetenz.
Was unterscheidet den Design Guide von klassischer Marktforschung oder klassischen Agenturleistungen?
Anders als klassische Marktforschung bleibt der Design Guide nicht bei Analyse und Bericht (meist in Form von Texten und Bulletpoints) stehen, sondern produziert in einem integrierten Forschungs- und Entwicklungsprozess direkt nutzbare Prototypen.
Klassische Agenturen arbeiten zwar oft mit psychologischen Insights oder einem verdichteten Creative Brief, müssen diese aber erst in eine visuelle und sinnliche Ausdrucksform übersetzen. Ob diese Übersetzung die Zielgruppe tatsächlich erreicht, muss daher i.d.R. in nachgelagerten Tests überprüft werden.
Schränkt der Design Guide die Kreativität nicht ein?
Im Gegenteil. Der Design Guide macht Kreativität nicht nur treffsicherer. Er kann zum Kreativitätsbooster werden, weil er Suchräume für Kampagnen-Ideen öffnet, die ohne den Prozess gar nicht auf dem Schirm waren. Da der Suchraum zudem empirisch abgesichert ist, ermöglicht der Design Guide auch mutigere oder ungewöhnlichere Ideen (und ihre Argumentation innerhalb des Unternehmens).
Kommt der Design Guide nicht dem “Style Guide” des Unternehmens in die Quere?
Nein. Ein Design Guide Manual ist etwas grundlegend anderes als ein klassischer Style Guide. Während der Style Guide das bestehende Corporate Design beschreibt und dessen Anwendung regelt, zeigt der Design Guide den gestalterischen Spielraum auf, in dem Kommunikation die größtmögliche Wirkung entfalten kann.
Beides ergänzt sich daher, statt sich zu widersprechen. In der Regel beziehen wir den vorhandenen Style Guide bereits in der Vorbereitung der Explorationen und bei der Entwicklung von Test- und Triggermaterial mit ein. So entstehen Varianten, die psychologisch wirksam sind und zugleich zur Marke passen.
Lässt sich ein Design Guide Manual auch über das Projekt hinaus nutzen?
Ja. Genau das ist eine seiner großen Stärken. Ein Design Guide Manual ist ein wiederverwendbares Gestaltungsfundament, das über einzelne Projekte hinaus genutzt werden kann – teils über mehrere Jahre, über verschiedene Kommunikationskanäle hinweg und teilweise auch für neue Zielgruppen. Dadurch entsteht nicht nur ein einmaliger Projektnutzen, sondern eine langfristige Arbeitsgrundlage
Wie läuft die Zusammenarbeit beim Design Guide ab?
Der Forschungs- und Entwicklungsprozess ist konsequent auf Kollaboration angelegt. Das ist entscheidend, denn Kommunikationsideen entfalten im Unternehmen nur dann ihre volle Wirkung, wenn sie nicht bloß akzeptiert, sondern von den relevanten Beteiligten mitentwickelt werden.
Zum Kreis der Stakeholder können neben dem Team des beauftragenden Unternehmens auch externe Agenturen oder Beratungen gehören. Je früher diese Perspektiven sinnvoll eingebunden sind, desto größer ist die Chance, dass aus guten Ansätzen tragfähige Lösungen werden. Die Teams sollten möglichst interdisziplinär zusammengestellt und aktiv im Prozess beteiligt werden.
Welche Rolle spielt KI beim Design Guide?
Im Verlauf eines Design Guide Prozesses entstehen zahlreiche Bildmotive, Textbeispiele und prototypische Entwürfe, die als Stimulus‑, Test- und Arbeitsmaterial dienen. Dabei nutzen wir teilweise auch generative KI, um die Materialerstellung effizienter und flexibler zu gestalten.
KI kann diesen Teil des Prozesses sinnvoll unterstützen – etwa bei der schnellen Visualisierung oder Variantenbildung. Die strategische Arbeit, die Entwicklung der Kommunikationsideen und das Gespür für stimmige Bild- und Ausdruckswelten bleiben jedoch klar menschliche Aufgaben.
Welchen Mehrwert hat der Design Guide für Marketing und Management?
Mehr Kundennähe, mehr Wirkung, mehr Steuerbarkeit und mehr Effizienz in der Kommunikationsentwicklung. Zugleich stärkt der Design Guide das beteiligte Team nachhaltig: Durch die aktive Beteiligung gewinnt es ein gemeinsames Wirkungsverständnis und eine tragfähige Grundlage auch für künftige Kommunikationsprojekte.
Fallbeispiele
Design Guide — Beispiel 1: Entwicklung eines Design Guide Manuals
Für einen touristischen Verband wurde ein “Design Guide Manual (DGM)“ als empirisch fundiertes visuell-psychologisches Arbeitsinstrument für die Kommunikationsentwicklung von über 40 Destinationen geschaffen.
Das DGM wurde als konkreter und direkt anwendbarer Gestaltungsleitfaden in Form von Visuals, Moodboards, Stilbeispielen und Wordingräumen konzipiert, differenziert nach Zielgruppen und entlang der Customer Journey. Das Manual unterstützt heute eine Vielzahl von Tourismus-Anbietern in Baden-Württemberg bei der Positionierung und Entwicklung kundenzentrierter Kommunikation.
Entwickelt wurde das DGM in insgesamt 10 Vor-Ort-Workshops á 2,5 Stunden mit potentiellen Gästen. Dabei kamen sowohl psychologische Fragetechniken (offene Fragen, Vertiefungsfragen) und imaginativ-projektive Aufgaben zum Einsatz als auch eigens für das Projekt konzipierte sinnlich-visuelle Verfahren: Freie Gestaltung, dialogische Gestaltung und Bewertung/Diskussion von visuellem Stimulus (Triggerkatalog mit 112 Bildmotiven, 32 Symbolen, 18 Begriffen/Claims) sowie körperlich-gestische Ausdrucksaufgaben.
Design Guide — Beispiel 2: Entwicklung von Online-Kommunikation
Für einen Anbieter digitaler Dienstleistungen wurde die Online-Kommunikation für ein neues Produktangebot entwickelt.
Im Vorab-Modul wurden die Kauf- und Verwendungs-Motive zu vergleichbaren Produkten auf dem Markt in 12 psychologischen jeweils zweistündigen Einzelexplorationen analysiert, flankiert durch eine KI-gestützte internationale Wettbewerbs-Analyse. Zusätzlich wurden gemeinsam mit den Befragten (mittels generativer KI) Bildwelten erstellt, die als Grundlage für die weitere Kommunikationsentwicklung dienten.
Die Ergebnisse der Analyse wurden in einem Team-Review vorgestellt und daraus gemeinsam 4 mögliche Kommunikations-Routen abgeleitet. Zu jeder Route wurden mehrere Varianten an Mockups erstellt.
In einem consumerLab unter Beteiligung aller Stakeholder wurden die Routen und Varianten in drei Schleifen á 2 Konsumentenworkshops diskutiert und optimiert, bis am Ende 1 Route und wenige Varianten übrig blieben. Der gesamte Prozess dauerte 2,5 Wochen.
Daraus wurden zwei finale Prototypen für Online-Banner, Social Media-Kampagne und Landingspage (inkl. Produktfilm, FAQs, CtA-Schaltflächen) erstellt. Einer der beiden Prototypen wurde noch geringfügig an das Corporate Design angepasst und geschaltet. In einem Ergebnisprotokoll wurden neben den Prototypen u.a. der Bild- und Text-Raum für die Kommunikation des Produkts in Zukunft und auf anderen Kanälen als Landkarte festgehalten.