Kreativtechnik: Äpfel mit Birnen vergleichen

Lese­zeit: 3 Minu­ten

Tuto­rial: Anlei­tung für die Insight­Art Krea­tiv­tech­nik „Nimmo“, mit der sich viele und unge­wöhn­li­che Ideen ent­wi­ckeln las­sen.

Die – selbst ent­wi­ckelte – Tech­nik Nimmo hat sich in unse­rer Inno­va­ti­ons­work­shop-Pra­xis schon viele Male bewährt. Sie führt nicht nur zu unge­wöhn­li­chen Ideen, son­dern berei­tet den Teil­neh­mern auch viel Spaß. Kon­zi­piert wurde sie für die Ent­wick­lung neuer Geschäfts­kon­zepte, eig­net sich jedoch auch bes­tens für Pro­dukt­ent­wick­lung. Der Name „Nimmo“ wurde inspi­riert vom Quan­ten­phy­si­ker Andy Nimmo, der 1960 den Begriff „Mul­ti­ver­sum“ für Par­al­lel­wel­ten geprägt hat.

Die drei spe­zi­el­len Ope­ra­tio­nen der Nimmo-Tech­nik sind Ana­lo­gien­bil­dung, der Ver­gleich von Äpfeln mit Bir­nen (oder Wasch­ma­schi­nen), und das Gene­rie­ren von Trans­fer-Ideen, um Alter­na­ti­ven zum Bestehen­den zu ent­wi­ckeln, die mehr Vor­teile bie­ten als das Bestehende.

Zur Durch­füh­rung der Nimmo-Tech­nik kann man ein For­mu­lar für Ein­zel­ar­beit vor­be­rei­ten (hier eine Vor­lage). Es funk­tio­niert aber auch in Grup­pen an Tafeln oder Meta­plan­wän­den, sofern man genug davon hat, da Nimmo meist eine große Menge an Ideen­an­sät­zen her­vor­bringt.

Aus­gangs­ba­sis

Wenn es um die Ent­wick­lung von Nutzer*innen-zentrieten Ideen geht, nimmt man als Aus­gangs­ba­sis die wich­tigs­ten Bedürf­nisse der Nutzer*innen an das Ange­bot bzw. ihre Anfor­de­run­gen an das Ange­bot. Ein ein­fa­ches Bei­spiel: Bei der Pro­dukt­gruppe „Social Media App“ ist es zen­tral, Men­schen die Teil­habe am sozia­len Leben zu erleich­tern. 

Schritt 1: Ana­lo­gie

Im ers­ten Schritt löst man sich kom­plett von der Pro­dukt­gruppe „Social Media App“ und fragt danach, wo und was denn in ande­ren Berei­chen die Teil­habe am sozia­len Leben erleich­tert. Das kann z.B. die Mit­glied­schaft in einem Ver­ein sein, ein Ver­wandt­schafts­ver­hält­nis, offene Türen, Stadt­teil­feste, eine Wohn­ge­mein­schaft etc. Es darf auch gerne etwas abwe­gi­ger sein, z.B. Geheim­bund, Mafia, Swin­ger­club, anonyme Alko­ho­li­ker.

Schritt 2: Ver­gleich der Vor­teile

Im zwei­ten Schritt ver­gleicht man Äpfel mit Bir­nen, also das bestehende / übli­che Ange­bot „Social Media App“ mit den Ana­lo­gien: Ver­ein, Ver­wandt­schaft, offene Türen, Stadt­teil­fest etc. Für jede Ana­lo­gie führt man Schritt 2 ein­zeln durch.

Bei­spiel Ana­lo­gie „offene Türen“: Man fragt sich, was die Vor­teile von offe­nen Türen beim Erleich­tern sozia­ler Teil­habe sind, im Ver­gleich zu vor­han­de­nen Social Media Ange­bo­ten wie Face­book oder Insta­gram. Vor­teile kön­nen z.B. sein: Man geht real und nicht nur vir­tu­ell hin­ein und kann mit rea­len Men­schen in Kon­takt kom­men, man lernt die Region ken­nen und kann rea­len Ein­blick mit allen Sin­nen in Berei­che erhal­ten, die einem sonst ver­bor­gen blei­ben etc. Die Vor­teile dür­fen auch gerne weit her­ge­holt sein und man lis­tet mög­lichst viele auf.

Schritt 3: Ideen-Trans­fer

Im drit­ten Schritt wer­den Ideen ent­wi­ckelt, indem jeder ein­zelne Vor­teil der Ana­lo­gien auf das Ange­bot „Social Media App“ zurück über­tra­gen wird. Dabei sind nicht alle Ana­lo­gien und Vor­teils-Ver­glei­che gleich ergie­big für Ideen. Das macht aber nichts, denn es wur­den ja jede Menge gesam­melt. Das Bei­spiel für den Vor­teil „rea­les Leben, reale Men­schen“ ergibt für die Trans­fer-Ideen die Frage: Wie könnte man eine Social Media App bes­ser mit dem rea­len Leben ver­bin­den?

Im letz­ten Schritt wer­den die Trans­fer-Ideen noch ein­mal kri­tisch beleuch­tet und die bes­ten aus­ge­wählt. Die ein­zel­nen Ideen pas­sen oft auch nicht zusam­men. Am Schluss gilt es also, die bes­ten Ein­zel­ideen in Gesamt­kon­zepte zu brin­gen.

Bei­spiel­idee 

Bei unse­rem Bei­spiel ist eine „Offene Tür“ App her­aus­kom­men, die sicher noch einen schö­ne­ren Namen braucht. Sie baut auf einer Umge­bungs-Map auf und kann mit aug­men­ted rea­lity Funk­tio­nen erwei­tert wer­den. Ver­an­stal­ter, Ver­eine etc. tra­gen Ort und Uhr­zeit – ggf. Zusatz­in­fos – auf der Map ein. Wenn jemand am Ort vor­bei geht, bekommt er einen Hin­weis auf sein Smart­phone, z.B. dass hier gerade (oder in der nächs­ten Stunde) eine Chor­probe statt­fin­det, mit der Ein­la­dung, doch ein­fach mal her­ein­zu­kom­men. Auch Tante Erna, die zu Kaf­fee und Kuchen in ihrem Gar­ten ein­lädt, könnte das in der App ein­ge­ben. Die Besu­cher des Chors oder von Tante Erna kön­nen dann auch Fotos oder Filme hoch­la­den und von ihrem Besuch berich­ten.

Zusätz­lich wäre es span­nend, wenn man in eine Back­stube, Schnei­de­rei, Wer­be­agen­tur oder eine Moschee sozu­sa­gen hin­ter die Kulis­sen schauen dürfte. Man kann auch zu pri­va­ten Lesun­gen ein­la­den, oder einer Musik­ses­sion, für die man noch Musi­ker braucht, oder ein­fach zum Debat­tie­ren über irgend­ein Thema. Grund­sätz­lich ist es belie­big erwei­ter­bar. Viel­leicht kann man auch Anfra­gen an die Com­mu­nity sen­den, z.B.: Ich möchte ein Kräu­ter­beet anle­gen, hat jemand Lust, mir dabei zu hel­fen?

Die Krea­tiv­tech­nik Nimmo ist stark darin, viele und auch unge­wöhn­li­che Ideen her­vor­zu­brin­gen, gerade weil sie einen Umweg über den Ver­gleich von Äpfeln mit Bir­nen beschrei­tet. Ein­fach mal aus­pro­bie­ren!

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